Film ab! Die Viennale 2019

Einblicke in fremde Welten: Zum 57. Mal werden bei der Viennale Filme aus aller Welt gezeigt, die oft nur in diesem Rahmen in Österreich zu sehen sind. Neben Vorführungen von über 300 Filmen stehen auch Veranstaltungen wie Konzerte und Gespräche auf dem Programm.

In einer akzentuierten Auswahl zeigt die Viennale eigensinnige und politisch aktuelle Filme – darunter nationale und internationale Premieren. Dabei ist eine Vielfalt an Formen, Längen und Genres vertreten. In sich abgestimmt finden im Programm über 300 Filme aus insgesamt mehr als 40 Ländern Platz, die aufeinander Bezug nehmen und so ein großes Ganzes schaffen. Die Viennale ist eine Gelegenheit, insbesondere jene Filme zu sehen, die nicht in den regulären Kinobetrieb aufgenommen werden. 

Porträts und Retrospektiven

Die vorgestellten Filme sind in vier Programmen zusammengefasst: In der Retrospektive steht ein Zeitraum im Mittelpunkt, den eine spezifische Produktionsweise und filmgeschichtliche Wirklichkeit prägt. In den Historiografien werden vergessen geglaubte Filme gezeigt, die verdeutlichen, wie die Geschichte des Kinos mittels des Kinos selbst geschrieben werden kann. Die Monografien stellen RegisseurInnen und ihr kreatives Schaffen vor und tragen zu einem tiefgehenden Verständnis der Poetik der jeweiligen FilmemacherInnen bei. In diesem Rahmen werden heuer beispielsweise Angela Schanelec, Pierre Creton und Ala Eddine Slim porträtiert.

Viennale '19-Gewinnspiel! BEREITS VERLOST!

Auch heuer verloste uni:view gemeinsam mit der VIENNALE 5x2 Viennale-Tickets sowie jeweils ein Festivalpackage, bestehend aus dem Viennale Rucksack, einem Festival- und Retrospektiven-Katalog. (© Viennale)

In den Kinematografien sind die Filme nach Themen oder Produktionsweisen geordnet. Im Zentrum steht eine filmische Wirklichkeit, ein Stil oder ein/e Regisseur/in. Dieses Jahr sind das beispielsweise das brasilianische Kino unter dem Titel "Brasilien entflammt!" und die Wiener Filmpionierin Louise Kolm-Fleck, die mit ihrem Schaffen in den 1920er Jahren einen weiblichen Blick in eine männlich dominierte Branche gewährt hat. 

Der Partisanenfilm – Western der sozialistischen Filmindustrie

Die diesjährige Retrospektive widmet sich unter dem Titel "O partigiano!" dem paneuropäischen Partisanenfilm. Dabei werden jene Filme gezeigt, die zwischen den 1940er und 1980er Jahren überall in Europa entstanden sind und vom bewaffneten zivilgesellschaftlichen Widerstand gegen den Faschismus erzählen. 

Der Partisanenfilm spielte vor allem in den sozialistischen Staatenbünden der Sowjetunion und Jugoslawiens eine bedeutende Rolle. Als bestimmendes Genre seiner Zeit war er ein Mittel, um dunkle Flecken der Zeitgeschichte umzudeuten. Der Partisanenfilm war für die sozialistische Filmindustrie, was der Western für das Hollywoodkino war – und verlor, genau wie der Western, nach und nach an Mainstream-Relevanz, bevor er sich in den 1960ern und 1970ern neu definieren konnte. Trotz ihrer damaligen Popularität sind die gezeigten Filme bis auf wenige Einzelwerke heute beinahe unbekannt.

Ein altes Ehepaar lebt in einfachsten Verhältnissen in Griechenland. In den frühen 1940er Jahren folgen sie dem ehernen Prinzip des Rechts auf Gastfreundschaft und Hilfe – und öffnen ihre Tür sowohl den Partisanen als auch der Wehrmacht. Edwin Zboneks Langfilmdebüt "Am Galgen hängt die Liebe" wirkt wie ein Partisanen-Italokriegswestern mit harten Heimatfilmkonturen. (© Sammlung Österreichisches Filmmuseum)

Bei der Viennale werden Partisanenfilme aus 20 Ländern gezeigt – darunter "Atentát" von Jiří Sequens, "Am Galgen hängt die Liebe" von Edwin Zbonek, "Kozara" von Veljko Bulajić und "'O sole mio" von Giacomo Gentilomo. Im Fokus steht die Idee eines Kinos, das über Blockgrenzen hinweg dazu beiträgt, aus gemeinsamen Erfahrungen neue Werte und Identäten zu schaffen. 

Portrait de la jeune fille en feu

Eröffnet wird die diesjährige Viennale mit dem französischen Film "Portrait de la jeune fille en feu" von Céline Sciamma. Verpackt in eine Liebesgeschichte thematisiert der Film die Suche nach persönlicher Bestimmung und Unabhängigkeit: Die Geschichte spielt im 18. Jahrhundert und handelt von einer Malerin, die ein Hochzeitsporträt einer adeligen Frau anfertigen soll. Es entsteht ein Porträt – und eine Beziehung zwischen den beiden Frauen. Die Eröffnung der Viennale findet am 24. Oktober im Gartenbaukino statt. Als Gast mit dabei ist Adèle Haenel, eine der beiden Hauptdarstellerinnen in "Portrait de la jeune fille en feu". 

Céline Sciamma geht in ihrem vierten Spielfilm "Portrait de la jeune fille en feu" feministischen Fragen nach: Was müssen Frauen tun, um gesehen zu werden? Was ist das, der weibliche Blick? Der Film ist eine fulminante Kombination von Kostümfilm und modernem Problembewusstsein. (© Viennale) 

Film, Musik und Gespräche

Parallel zu den Filmvorführungen finden im Rahmen der Viennale unterschiedliche andere Veranstaltungen statt. Beim "Live Cinema" wird Sílvia da Fadas' Projekt "Luz, Clarão, Fulgor" als 16mm-Doppelprojektion von einer Live-Vertonung durch João Farelo begleitet. Auch Luke Fowler, der mit zwei Kurzfilmen beim Festival vertreten ist, wird als Musiker in der Viennale Zentrale auftreten. Die Aperitivi, bei denen sich Filminteressierte im Festivalzentrum zum Austausch bei Drinks und Snacks treffen, werden auch dieses Jahr wieder von Talks und Diskussionen begleitet. In diesem Rahmen hat beispielsweise das Drehbuch-Forum ein Gespräch mit Bertrand Bonello und Andrea Schanelec organisiert. Erstmals diskutieren FilmkritikerInnen außerdem beim Round Table über alte und neue Ansätze der Filmkritik.

Als Abschluss der Viennale werden bei einer Gala mehrere Preise an die bemerkenswertesten Filme verliehen. Dazu gehören der Fipresci-Preis der International Film Critic's Association, der Wiener Filmpreis, der ErsteBank MehrWERT-Filmpreis und der Der Standard-Viennale-Publikumspreis. (abi)

Viennale 2019: 24. Oktober bis 6. November 
Kinos: Gartenbaukino, Stadtkino im Künstlerhaus, Urania, Österreichisches Filmmuseum und Metro Kinokulturhaus
Tickets & Info

Student's Daytime Ticket
Bei der heurigen Viennale gibt es wieder das sogenannte "Student's Daytime Ticket". Dabei erhalten StudentInnen, SchülerInnen, Lehrlinge sowie Präsenz- und Zivildiener unter 27 Jahren für alle Vorführungen vor 17.30 Uhr ermäßigte Tickets um 6,50 Euro an der jeweiligen Kinokassa.