Wie sich Opiate auf unsere Empathiefähigkeit auswirken

Claus Lamm und Markus Rütgen untersuchen im Rahmen eines FWF-Projekts am Vienna Cognitive Science Hub die neuronalen Grundlagen der Empathie und inwiefern sich die Empathiefähigkeit durch die laufende Einnahme von Opiaten verändert. "Unsere Forschung ist vor allem für Personen relevant, die unter Opiat-Abhängigkeit leiden", so Lamm.

"Wir untersuchen die neuronalen Grundlagen der Empathie, also der Fähigkeit, andere Menschen zu verstehen. Das tun wir, indem wir uns die Botenstoffe im menschlichen Gehirn anschauen", erklärt Claus Lamm vom Institut für Psychologie der Kognition, Emotion und Methoden der Universität Wien im Video.

Wie wir Schmerz wahrnehmen

"Daher haben wir uns entschieden, experimentelle Manipulationen durchzuführen, die die eigene Schmerzwahrnehmung reduzieren, um dann wiederum zu testen, ob sich diese Manipulationen auch auf die Wahrnehmung des Schmerzes anderer Menschen auswirken", ergänzt Markus Rütgen vom Forschungsverbund Kognitionswissenschaft (Vienna Cognitive Science Hub) der Universität Wien, der gemeinsam mit Claus Lamm am FWF-Projekt "Die Rolle des Opiatsystems bei Empathie für Schmerz" arbeitet.

Das Thema Schmerz wird an der Universität Wien auch von Neurowissenschafterin Manuela Schmidt beforscht. Sie diskutiert ihren Beitrag „Schmerz – zwischen wachsamer Alarmanlage und chronischer Erkrankung“ aktuell im Rahmen der Semesterfrage auf derStandard.at. Die abschließende Diskussionsveranstaltung zur Semesterfrage findet am Montag, 18. Jänner, 18 Uhr, statt. Zur Semesterfrage

Rütgen erklärt weiter: "Um den Schmerz der Versuchspersonen zu reduzieren, haben wir uns für Placebo-Analgesie entschieden. Dabei wird den Testpersonen eine eigentlich wirkungslose Tablette verabreicht, es wird aber glaubhaft vermittelt, dass es sich dabei um ein wirkungsvolles Schmerzmittel handelt. Allein durch diese Erwartung werden im Körper körpereigene Opiate, sogenannte Endorphine, ausgeschüttet, wodurch es zu einer Schmerzreduktion kommt."

Relevant bei Opiat-Abhängigkeit

Claus Lamm: "Unsere Forschung ist relevant für Personen, die regelmäßig Schmerzmedikamente einnehmen oder unter Opiat-Abhängigkeit leiden. Wir untersuchen, inwiefern sich die Empathiefähigkeit dieser Personengruppen durch die laufende Einnahme dieser Botenstoffe und Substanzen verändert." (ps) 

Das FWF-Projekt "Die Rolle des Opiatsystems bei Empathie für Schmerz" läuft von 1.10.2019 bis 30.09.2022 unter der Leitung von Univ.-Prof. Mag. Dr. Claus Lamm vom Institut für Psychologie der Kognition, Emotion und Methoden der Universität Wien am Vienna Cognitive Science Hub. Projektmitarbeiter ist Mag. Dr. Markus Rütgen vom Institut für Psychologie der Kognition, Emotion und Methoden der Universität Wien.